Deutsche, die sich als solche begriffen, wurden nicht befreit, sondern besiegt.

8. Mai, Tag der Befreiung vom Faschismus. Tatsächlich kapitulierte am besagten Tage das Dritte Reich vor der Anti-Hitler-Koalition. Im Falle deutscher Städte oder auch nur Stadtteile – oder gar „Deutschlands“ – jedoch von einer „Befreiung“ in dem Sinne zu sprechen, wie Paris, Warschau oder Prag tatsächlich befreit wurden, suggeriert, dass die deutsche Bevölkerung ebenso in einer Unterdrückungsdiktatur gelebt habe wie die in den genannten Städten. Befreit wurden aber nicht jene, die in den letzten Monaten des Krieges panisch, in Angst vor zumeist leider ausbleibender Bestrafung, nach weißen Fetzen kramten und die Uniformen in den Ofen steckten, als alliierte Panzer vor ihren Fenster auftauchten.

Deutsche, die sich als solche begriffen, konnten nicht befreit, sondern nur besiegt werden. Die nationalsozialistische Barbarei war Deutschland, auch wenn die Legende von einem „anderen Deutschland“, das bis Kriegsende, bis also die NS-Führer – dieser Logik folgend – wieder in ihr Raumschiff stiegen, quasi unsichtbar und unschuldig überlebte, bis heute zum geschichtspolitischen Repertoire der Bundesrepublik gehört. Traurig bleibt die Tatsache, dass selbst viele der ins Exil gezwungenen Antifaschistinnen und Antifaschisten den Bruch mit der deutschen Nation nicht vollziehen wollten. Nicht nur bei dem in vielen Städten und Dörfern stattfindenden unsäglichen Gedenken an die alliierten Bombardierungen und in den Inschriften der vom Erinnerungsweltmeister Deutschland in unüberschaubarer Zahl errichteten Denkmäler, sondern auch in der Rhetorik vieler an der DDR-Geschichtsschreibung orientierter Traditionslinker wird die deutsche Bevölkerung als ein leidendes Opfer des Nationalsozialismus – nicht dessen Träger – unter vielen behandelt.

Gegen den Jargon der deutschen Aufarbeitung der Vergangenheit, der den Nationalsozialismus als eine Diktatur unter vielen begreift und noch in Tätern Opfer sehen mag, wäre mit Jean Améry, der als einer unter Millionen den Unterschied zwischen Tätern und Opfern im Nationalsozialismus, zwischen der deutschen Volksgemeinschaft und der ex negativo aus ihr ausgeschlossenen „Gegenrasse“ am eigenen Leib erfahren musste, einzuwenden: Täter sind Täter und müssen Täter bleiben. Und Opfer sind Opfer. So einfach, so »banal« ist das. Wer in Deutschland hingegen tatsächlich Opfer war und befreit wurde bzw. befreit werden hätte können, das waren die zahllosen Zwangsarbeiter und KZ-Insassen, es waren die politischen Häftlinge in den Knästen, es waren alliierte Kriegsgefangene, es waren Verfolgte und Deserteure, die sich erfolgreich hatten verstecken können, kurz: Unter ihnen war ein verschwindend geringer Teil der deutschen Bevölkerung. Für viele von ihnen kam der 8. Mai 1945 freilich zu spät.

Berlin und andere deutsche Städte, deren Bewohner sich bis Kriegsende in überwältigender Mehrheit als Teil der zum antisemitischen Mordkollektiv verschweißten deutschen Volksgemeinschaft begriffen und sich in einer Zustimmungsdiktaktur eingerichtet hatten, wurden niemals in oben genanntem Sinne befreit. Sie haben kapituliert. Sie haben sich mit der Niederlage – zum Leidwesen der Hardliner, die den kompletten Untergang einer alliierten Besatzung vorziehen wollten – ebenso abgefunden und sich in den neuen Zuständen eingerichtet wie sie es ab 1933 in der „neuen Barbarei“ taten, 1945 vielleicht die sich dann bekanntlich bewahrheitende Ahnung im Hinterkopf, dass die weltpolitische Lage alliierte Überlegungen einer vollständigen Zerschlagung oder auch nur Entnazifizierung Deutschlands nicht begünstigte und dass der deutsche Staat langfristig davon profitierten würde. So profan es klingt: Das Dritte Reich, seine Gesellschaft und seine Institutionen wurden von den Alliierten gewaltsam niedergeworfen und zwangsdemokratisiert. In diesem Sinne ist es unser Anliegen, statt mit der Verwendung des Begriffs der „Befreiung“ bezüglich der Ereignisse des 8. Mai 1945 auf deutschem Staatsgebiet der verbreiteten Trennung in ein vom „NS-Regime unterdrücktes deutsches Volk“ und „dem deutschen Faschismus“ Folge zu leisten, den grundlegenden Unterschied zwischen der deutschen Volksgemeinschaft auf der einen und den Bevölkerungen in den besetzten Gebieten auf der anderen Seite hervorzuheben, der nicht zuletzt im Umgang mit dem 8. Mai sichtbar wird.

70 Jahre Kapitulation Berlins: большoе спасибо!

Am Abend des 1. Mai laden wir ab 20 Uhr in die Friedelstraße 54 nach Neukölln. Garantiert ohne Plastikbecher, My-Fest-Attitüde und Arbeitsfetisch. Wer am selben Tag in Tröglitz war, bekommt – so mitfühlend sind wir – unser Bier zum Einkaufspreis.

https://www.facebook.com/events/1429842637317426/

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Vor 70 Jahren, am Morgen des 2. Mai 1945 kapitulierten die letzten deutschen Einheiten in der Reichshauptstadt, dem Herzen der Bestie. Keine weiteren Worte: Lasst uns anstoßen auf die Kapitulation Berlins, die deutsche Niederlage, die Streitkräfte der Anti-Hitler-Koalition und alle Menschen für die die Niederschlagung der ultimativen Unerträglichkeit, des Nationalsozialismus, Befreiung bedeutete! Es gibt: Wodka bis zum Abwinken (und zwar guten), wie immer köstliches gekühltes Bier, Gin Tonic und Tequila Sunrise, Pfeffi und weitere Späße.

Zu Essen (vegan) gibt es:
1. Borschtsch
2. Schaschlik mit Kräuterbutter und Graubrot
3. Kissel auf Mandel-Grieß-Crème

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It was 70 years ago, in the morning of the 2nd of May:

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Informationen zur Busfahrt am Samstag

Die Fahrt zur Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und ehemaligen KZ Uckermark am Samstag, 18. April, startet pünktlich um 8 Uhr am Franz-Mehring-Platz. Rückfahrt ist um 18 Uhr.

Die Initiative für einen Gedenkort Uckermark hat einen Übersichtsplan und einen Audioguide veröffentlicht, welchen ihr euch vorab downloaden könnt: http://www.gedenkort-kz-uckermark.de/info/ausstellung.htm

Zur Webseite mit Programmübersicht für den 18. April: http://lg-ravensbrueck.vvn-bda.de/

07.04. Infoveranstaltung im JUP Pankow

Achtung, Ort geändert: Die Veranstaltung findet nun um 19 Uhr im „JUP – Unabhängiges Jugendzentrum Pankow e.V“, Florastraße 84, 13187 Berlin statt. Erreichbar vom S+U Bahnhof Pankow oder S-Bahnhof Wollankstraße aus in ein paar Minuten. Oder ihr fahrt mit dem Bus M27 bis „Görschstr“. --> Google Maps.

[Infoveranstaltung] Das Konzentrationslager Ravensbrück, das Jugend-KZ Uckermark und heutiges Gedenken

Am Dienstag, den 7. April wird eine Informationsveranstaltung im Vorfeld der Busfahrt am 18. April stattfinden. So kritikwürdig wir den staatsoffiziellen Umgang mit der Vergangenheit finden, so wichtig ist es darauf hinzuweisen, dass es Alternativen gibt und dass sich bundesweit Initiativen finden lassen, die sich für eine kritische Erinnerungsarbeit einsetzen und sich nicht vor den Karren des bundesdeutschen „Aufarbeitungsweltmeisters“ spannen lassen.

Klaus Lemmnitz von der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e.V. wird ein paar Worte zur Mahn- und Gedenkstätte und der Arbeit der Lagergemeinschaft verlieren.

Danach wird Chris Rotmund die Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark und ihre Arbeit vorstellen sowie auf die Geschichte des Jugend-Konzentrations- und späteren Vernichtungslagers eingehen.

Während der Veranstaltung können Tickets für den Bus gekauft werden. Spendenempfehlung 5-10€. Auch einige Bücher, unter anderem „Kinder von KZ-Häftlingen – eine vergessene Generation“ (herausgegeben von der Lagergemeinschaft Ravensbrück) und die Broschüre „Fragt uns“ (http://fragtuns.blogsport.de/) können erworben werden.

Veranstaltungen im April

Donnerstag, 2. April / 19:30 / Laidak, Boddinstraße 42, Berlin-Neukölln (nahe U Boddinstraße)

Vortrag und Diskussion mit Philipp Schweizer (Falken Erfurt) „Über die Aufarbeitung der Vergangenheit“

Noch vor 50 Jahren schienen die Fronten klar: die Erinnerung an den Nationalsozialismus richtete sich nicht nur gegen das Schweigen der eigenen Väter und Onkel, sondern auch das der gesamten deutschen Öffentlichkeit. Diese wollte lieber auf eine große Zukunft Deutschlands hinarbeiten und dazu einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen, anstatt sich mit der Erinnerung an die abzugeben, die im Namen Deutschlands und seiner Zukunft ermordet wurden.

Vor diesem Hintergrund schien jedes Erinnern ein Angriff auf den emsigen Wiederaufbau, auf Ruhe und Ordnung zu sein – kurz: es war praktische Subversion.
Heute hat die offizielle Politik hingegen eine umfassende Erinnerungskultur etabliert. Bei Gedenkveranstaltungen zur Befreiung von Auschwitz oder zum Ende des Nationalsozialismus in Bundestag und -rat zitiert man sogar einen Theodor W. Adorno. Dabei hatte dieser seinen Vortrag zur Aufarbeitung der Vergangenheit damit geschlossen, dass diese erst aufarbeitet sei, wenn die „Ursachen des Vergangenen beseitigt wären“ und dachte dabei an die praktische Beseitigung des Kapitalismus.

Der Vortrag vergegenwärtigt zunächst die Überlegungen aus Adornos Vortrag „Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit“ (1960), um in Anschluss an diese die Veränderungen des öffentlichen Gedenkens in den letzten 35 Jahren zu umreißen und die Frage aufzuwerfen, vor welcher Aufgabe ein materialistisches Erinnern an den Nationalsozialismus heute steht.

https://www.facebook.com/events/1626180397613964/

Freitag, 3. April / 18:00 Uhr / Friedelstraße 54, Berlin Neukölln (nahe U Hermannplatz)

Historischer Kiezrundgang mit Claudia von Gélieu (VVN-BdA, Galerie Olga Benario, FrauenTouren)

https://www.facebook.com/events/883039155073097/

Freitag, 3. April / ab 20:00 Uhr /Friedelstraße 54

[Tresen gegen Unerträglichkeiten] mit Bierspezialitäten und gutem Essen. Checkt unsere Facebook-Seite für aktuelle Infos.

Dienstag, 7. April / 19:00 Uhr / JUP – Unabhängiges Jugendzentrum Pankow e.V,
Florastraße 84, 13187 Berlin

[Infoveranstaltung] Das Konzentrationslager Ravensbrück, das Jugend-KZ Uckermark und heutiges Gedenken

Am Dienstag, den 7. April wird im JUP Pankow eine Informationsveranstaltung im Vorfeld der Busfahrt am 18. April stattfinden. So kritikwürdig wir den staatsoffiziellen Umgang mit der Vergangenheit finden, so wichtig ist es darauf hinzuweisen, dass es Alternativen gibt und dass sich bundesweit Initiativen finden lassen, die sich für eine kritische Erinnerungsarbeit einsetzen und sich nicht vor den Karren des bundesdeutschen „Aufarbeitungsweltmeisters“ spannen lassen.

Klaus Lemmnitz von der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e.V. wird ein paar Worte zur Mahn- und Gedenkstätte und der Arbeit der Lagergemeinschaft verlieren.

Danach wird Chris Rotmund die Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark und ihre Arbeit vorstellen sowie auf die Geschichte des Jugend-Konzentrations- und späteren Vernichtungslagers eingehen.

Während der Veranstaltung können Tickets für den Bus gekauft werden. Spendenempfehlung 5-10€. Auch einige Bücher, unter anderem „Kinder von KZ-Häftlingen – eine vergessene Generation“ (herausgegeben von der Lagergemeinschaft Ravensbrück) und die Broschüre „Fragt uns“ (http://fragtuns.blogsport.de/) können erworben werden.

Das JUP erreicht ihr vom S+U Bahnhof Pankow oder S-Bahnhof Wollankstraße aus in ein paar Minuten. Oder ihr fahrt mit dem Bus M27 bis „Görschstr“.

Samstag, 18. April / 08:00 / Treffpunkt am Franz-Mehring-Platz (nahe S Ostbahnhof)

Busfahrt zur Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück/Uckermark

Dort, ca. 80 Kilometer nördlich von Berlin, befand sich von 1938/39 bis April 1945 das größte deutsche Konzentrationslager der SS für weibliche Häftlinge im Reichsgebiet. In unmittelbarer Nähe befand sich das „Jugendschutzhaftlager Uckermark“. Zum 70. Jahrestag der Befreiung wird es vor Ort einige Veranstaltungen geben. Es besteht zudem die Möglichkeit, an einer für uns organisierten Führung teilzunehmen.

Tickets für den Bus gibt es für 5-10 € auf unseren Veranstaltungen.

Busabfahrt ist am Morgen des 18. um 8 Uhr am Franz-Mehring-Platz, nahe Ostbahnhof. Bitte seid pünktlich. Rückfahrt in Ravensbrück um 18 Uhr.

Veranstaltet in Kooperation mit der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e.V. (zur Webseite mit Programmübersicht für den 18. April: http://lg-ravensbrueck.vvn-bda.de/) und dem Berliner VVN-BdA.
Zur Webseite der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark: http://www.gedenkort-kz-uckermark.de/

https://www.facebook.com/events/1554125714855552/