Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Friedel54 gekündigt!

Gäste der kollektiv verwalteten Räumlichkeiten in der Neuköllner Friedelstraße 54 haben sich sicherlich schon seit längerem gefragt, was eigentlich dieses hässliche Baugerüst am Haus zu suchen hat. Nun, die Wiener Eigentümerfirma “Citec Immo Invest GmbH” möchte das Haus gerne sanieren und legt sich deshalb seit Monaten mit den dort wohnenden Menschen an. Siehe: http://www.bmgev.de/mieterecho/archiv/2015/me-single/article/modernisierung-auf-biegen-und-brechen.html

Am Donnerstag, den 29.10.2015, wurde dem Kiezladen im Erdgeschoss, in dem auch wir Veranstaltungen organisieren, per Gerichtsvollzieher die Kündigung zum 30. April 2016 zugestellt. Am 23.11. um 20 Uhr wird es ein offenes Treffen geben um Handlungsmöglichkeiten zu besprechen. Denn eines ist klar: Umstandslos wird der Laden sicher nicht übergeben. Siehe: http://friedel54.noblogs.org/

Übrigens geht ca. die Hälfte der Einnahmen unseres morgigen Tresens wie immer an die F54, also kommt vorbei: https://www.facebook.com/events/193946477610606/

Kein Al-Quds-Marsch in Berlin!

Gegen den antisemitischen Al-Quds-Marsch in Berlin!
ضد مسيرة يوم القدس المعادية لليهود في برلين

Am Samstag finden mehrere Veranstaltungen gegen den Al-Quds-Marsch in Berlin statt:

Demonstration: Kein Al Quds-Marsch 2015! Gemeinsam gegen den größten antisemitischen Aufmarsch Deutschlands!
Treffpunkt: 11.00 Uhr, Breitscheidplatz
Kundgebung 13 : 30 Uhr Wittenbergplatz.
Abschlusskundgebung: 15 : 00 Uhr Breitscheidplatz (Ende offen)

Die Ursprünge des Al-Quds-Tages liegen in der Islamischen Republik Iran. Von Ruhollah Chomeini, dem Revolutionsführer höchstpersönlich erstmals 1979 ausgerufen, ist er als offizieller Feiertag am letzten Freitag des Ramadan seitdem jährlich Anlass für staatlich organisierte Großdemonstrationen, auf denen das iranische Regime die Eroberung Jerusalems (arab. Al Quds) fordert und seinen Vernichtungsfantasien gegenüber Israel und den USA Ausdruck verleiht.
Unter dümmlichen Parolen wie „Zionismus ist antisemitisch“ rottet sich zu dieser Gelegenheit ein ebenso bunter wie explosiver Mob aus Islamisten, „moderaten“ Muslimen, Neonazis, Verschwörungstheoretikern und linken Israelhassern zusammen, um mitten in Berlin gegen die Existenz des jüdischen Staates anzuschreien. Das Ergebnis ist die mit Abstand größte jährlich stattfindende, gewalttätige antisemitische Veranstaltung in Deutschland. Die Suche nach Gegenprotest indes ist überaus ernüchternd: Kaum eine Handvoll Gegendemonstranten, größtenteils aus dem Umfeld jüdischer Organisationen, hält es für notwendig, sich dem antisemitischen Mob entgegenzustellen.
Neben der Hetze gegen Israel dient die Al-Quds-Demonstration auch als Plattform für zahlreiche Apologeten der libanesisch-schiitischen Hisbollah, des syrischen Assad-Regimes und der Islamischen Republik Iran. Die „Achse des Widerstands“, die neuerdings als legitimer Verbündeter im Kampf gegen den ebenso menschenfeindlichen „Islamischen Staat“ angesehen wird und deren Kitt der Hass auf Israel darstellt, findet sich also auf den Straßen Berlins in Form verschiedener Tarnorganisationen und Sympathisanten repräsentiert. Währenddessen ist der sog. friedliche Arm der Hisbollah in der EU weiterhin legal und sammelt fleißig Spenden, lässt Assad weiterhin Fassbomben auf die syrische Zivilbevölkerung werfen und werden unter dem Terrorregime in Teheran, zu dem die Bundesrepublik beste wirtschaftliche Beziehungen pflegt, weiterhin Gegner der Regimes verfolgt, Homosexuelle hingerichtet und Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelt.
Es darf nicht hingenommen werden, dass sich jährlich über tausend Menschen in Berlin versammeln um ihre Hasstiraden gegen Israel zu verbreiten und sich unter Fahnen der antisemitischen Hisbollah öffentlich mit den Schlächtern in Teheran und Damaskus solidarisieren.

Nein zu Antisemitismus, nein zur Hisbollah, nein zur Islamischen Republik Iran!
لا لمعاداة اليهود، لا لحزب الله، لا للجمهورية الإسلامية

Against the anti-Semitic Al-Quds-march in Berlin!
The origin of the “Al-Quds-Day” lies in the Islamic Republic of Iran. Firstly proclaimed by the revolution’s leader Ruhollah Chomeini himself in 1979, it has been a public holiday on the last Friday of Ramadan since then. On this occasion the Iranian Regime organises big demonstrations, calling for the conquest of Jerusalem (arab. Al Quds) and displaying its eliminatory phantasies towards Israel and the USA.
Amidst empty-headed slogans such as “Zionism is anti-Semitic” a both colourful and explosive mob consisting of Islamists, “moderate” Muslims, Neo-Nazis, conspiracy theorists and Israel-hating leftists is forming in the middle of Berlin to display their hate hatred against the Jewish state, annually resulting in the biggest violent anti-Semitic event in Germany. Meanwhile the search for counter-protest is disillusioning: Not more than a handful people, mostly from Berlin’s Jewish organisations, seem to think it’s necessary to confront the anti-Semitic mob.
Apart from showing their hatred against Israel, the Al-Quds-march’s participants are also using the event as a platform to show their support for the Lebanese Shiite Hezbollah, as well as for the Syrian dictator Assad and the Islamic Republic of Iran. Thus the “axis of resistance”, which is held together by their mutual anti-Semitism and nowadays apparently a legitimate ally in the fight against the no less inhuman “Islamic State”, is represented on the streets of Berlin by their sympathizers and several cover organisations. Meanwhile, the so-called peaceful arm of the Hezbollah is still legal and active in the EU, Assad is still throwing barrel bombs at the Syrian people and the terror regime in Tehran, maintaining best economic relationships with Germany, is still persecuting its opponents, executing Homosexuals and treating women as second-class citizens.
It cannot be tolerated that over a thousand people are meeting in Berlin every year to spread their hate speeches against Israel and publicly show their solidarity with the butchers of Tehran and Damascus.
No to Anti-Semitism, no to Hezbollah, no to the Islamic Republic of Iran!

Deutsche, die sich als solche begriffen, wurden nicht befreit, sondern besiegt.

8. Mai, Tag der Befreiung vom Faschismus. Tatsächlich kapitulierte am besagten Tage das Dritte Reich vor der Anti-Hitler-Koalition. Im Falle deutscher Städte oder auch nur Stadtteile – oder gar „Deutschlands“ – jedoch von einer „Befreiung“ in dem Sinne zu sprechen, wie Paris, Warschau oder Prag tatsächlich befreit wurden, suggeriert, dass die deutsche Bevölkerung ebenso in einer Unterdrückungsdiktatur gelebt habe wie die in den genannten Städten. Befreit wurden aber nicht jene, die in den letzten Monaten des Krieges panisch, in Angst vor zumeist leider ausbleibender Bestrafung, nach weißen Fetzen kramten und die Uniformen in den Ofen steckten, als alliierte Panzer vor ihren Fenster auftauchten.

Deutsche, die sich als solche begriffen, konnten nicht befreit, sondern nur besiegt werden. Die nationalsozialistische Barbarei war Deutschland, auch wenn die Legende von einem „anderen Deutschland“, das bis Kriegsende, bis also die NS-Führer – dieser Logik folgend – wieder in ihr Raumschiff stiegen, quasi unsichtbar und unschuldig überlebte, bis heute zum geschichtspolitischen Repertoire der Bundesrepublik gehört. Traurig bleibt die Tatsache, dass selbst viele der ins Exil gezwungenen Antifaschistinnen und Antifaschisten den Bruch mit der deutschen Nation nicht vollziehen wollten. Nicht nur bei dem in vielen Städten und Dörfern stattfindenden unsäglichen Gedenken an die alliierten Bombardierungen und in den Inschriften der vom Erinnerungsweltmeister Deutschland in unüberschaubarer Zahl errichteten Denkmäler, sondern auch in der Rhetorik vieler an der DDR-Geschichtsschreibung orientierter Traditionslinker wird die deutsche Bevölkerung als ein leidendes Opfer des Nationalsozialismus – nicht dessen Träger – unter vielen behandelt.

Gegen den Jargon der deutschen Aufarbeitung der Vergangenheit, der den Nationalsozialismus als eine Diktatur unter vielen begreift und noch in Tätern Opfer sehen mag, wäre mit Jean Améry, der als einer unter Millionen den Unterschied zwischen Tätern und Opfern im Nationalsozialismus, zwischen der deutschen Volksgemeinschaft und der ex negativo aus ihr ausgeschlossenen „Gegenrasse“ am eigenen Leib erfahren musste, einzuwenden: Täter sind Täter und müssen Täter bleiben. Und Opfer sind Opfer. So einfach, so »banal« ist das. Wer in Deutschland hingegen tatsächlich Opfer war und befreit wurde bzw. befreit werden hätte können, das waren die zahllosen Zwangsarbeiter und KZ-Insassen, es waren die politischen Häftlinge in den Knästen, es waren alliierte Kriegsgefangene, es waren Verfolgte und Deserteure, die sich erfolgreich hatten verstecken können, kurz: Unter ihnen war ein verschwindend geringer Teil der deutschen Bevölkerung. Für viele von ihnen kam der 8. Mai 1945 freilich zu spät.

Berlin und andere deutsche Städte, deren Bewohner sich bis Kriegsende in überwältigender Mehrheit als Teil der zum antisemitischen Mordkollektiv verschweißten deutschen Volksgemeinschaft begriffen und sich in einer Zustimmungsdiktaktur eingerichtet hatten, wurden niemals in oben genanntem Sinne befreit. Sie haben kapituliert. Sie haben sich mit der Niederlage – zum Leidwesen der Hardliner, die den kompletten Untergang einer alliierten Besatzung vorziehen wollten – ebenso abgefunden und sich in den neuen Zuständen eingerichtet wie sie es ab 1933 in der „neuen Barbarei“ taten, 1945 vielleicht die sich dann bekanntlich bewahrheitende Ahnung im Hinterkopf, dass die weltpolitische Lage alliierte Überlegungen einer vollständigen Zerschlagung oder auch nur Entnazifizierung Deutschlands nicht begünstigte und dass der deutsche Staat langfristig davon profitierten würde. So profan es klingt: Das Dritte Reich, seine Gesellschaft und seine Institutionen wurden von den Alliierten gewaltsam niedergeworfen und zwangsdemokratisiert. In diesem Sinne ist es unser Anliegen, statt mit der Verwendung des Begriffs der „Befreiung“ bezüglich der Ereignisse des 8. Mai 1945 auf deutschem Staatsgebiet der verbreiteten Trennung in ein vom „NS-Regime unterdrücktes deutsches Volk“ und „dem deutschen Faschismus“ Folge zu leisten, den grundlegenden Unterschied zwischen der deutschen Volksgemeinschaft auf der einen und den Bevölkerungen in den besetzten Gebieten auf der anderen Seite hervorzuheben, der nicht zuletzt im Umgang mit dem 8. Mai sichtbar wird.

About.

Nouvelle Dune ist ein heterogener Zusammenschluss von Menschen, die die herrschende Gesellschaftsformation, in der Hunger kein Grund zur Produktion und Leiden kein Grund zur Solidarität ist, als unerträglich empfinden.

Wir beharren des Weiteren auf der Notwendigkeit, mit der die „Vorgeschichte der menschlichen Gesellschaft“ (Marx) abzuschließen wäre und ihre Unerträglichkeiten auf dem Müllhaufen der Geschichte zu landen hätten.

Derweil üben wir uns in Geduld, Ironie und praktischer Solidarität.