Veranstaltung am 1. Juni

Am 1. Juni findet um 19:30 im Laidak (Boddinstraße 42, 12053 Berlin) eine weitere Veranstaltung statt, die den deutschen Umgang mit der Vergangenheit zum Thema hat.

Sonja Witte wirft in ihrem Vortrag mit dem Titel „Nationales Vergangenheitsrecycling – Die postnazistische Allianz der Generationen im deutschen Kollektiv“ einen Blick zurück auf die Nullerjahre, in denen eine bestimmte Figur im Zentrum kulturindustrieller ‚Vergangenheitsbewältigung‘ stand und zum Kassenschlager wurde: Die Versöhnung der Generationen im deutschen Kollektiv. Der Vortrag nimmt einen Ausgangspunkt des von der Gruppe kittkritik im Jahr 2007 herausgegebenen Sammelbands „Deutschlandwunder – Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur“ auf: An Filmen wie Dresden – das Inferno (2006), Napola – Elite für den Führer (2004), Der Untergang (2004) oder Das Wunder von Bern (2003) zeigt sich, dass als ein wesentliches ‚Grundmuster‘ der Erzählungen stets eine Dreigenerationenperspektive fungierte.

Die scheinbar ‚authentischen‘ Darstellungen des Nationalsozialismus und seiner ‚Überwindung‘ im postnazistischen Deutschland spielen mit aktuellen Wünschen nach einer guten deutschen Nation, in der TäterInnen-, Kinder- und EnkelInnengeneration gemeinsam Familienfrieden schließen. Diese kulturindustriellen Produktionen aus den Nullerjahren hatten einen ‚heimlichen Protagonisten‘: Die hier imaginierte dritte TäterInnengeneration war Schlüsselfigur der karthischen „schwarz-rot-geilen“ Versöhnung. Anhand einiger Filmbeispiele wird skizziert, inwiefern sich in dieser Form zwei bekannte Motive der deutschen ‚Vergangenheitsbewältigung‘ präsentierten: Die fortwährende Stilisierung der Deutschen als Opfer und die Integration von Auschwitz in die kulturindustrielle deutsche Erinnerungsarbeit als gesellschaftlichem ,Kitt‘.

Sonja Witte ist Mitherausgeberin des Sammelbandes „Deutschlandwunder – Wunsch und Wahn in der postnazistischen Nation“ [www.kittkritik.net], außerdem aktiv bei den „les madeleines“ [www.lesmadeleines.net], der Veranstaltungsgruppe „Aus Gründen gegen fast Alles“ [https://ausgruendengegenfastalles.wordpress.com/] und der Zeitschrift „Extrablatt – Aus Gründen gegen fast Alles“ [www.extrablatt-online.net].

Eintritt frei.