Archiv für Mai 2014

„Syrian Freedom“ Veranstaltungsreihe

Hiermit sei auf die zwei noch anstehenden Veranstaltungen der Reihe „Syrian Freedom“ verwiesen:

8. Juni / 19:30 Uhr / Schankwirtschaft Laidak, Boddinstraße 42/43, Berlin
Quo vadis Syrien? Zur Lage der Opposition gegen Assad.
Vortrag und Diskussion mit Sia­mend Hajo

Für den 3. Juni 2014 plant der sy­ri­sche Macht­ha­ber Bas­har al-As­sad Prä­si­dent­schafts­wah­len im vom Bür­ger­krieg zer­stör­ten und ge­teil­ten Land. Le­dig­lich zwei re­gime­treue Kan­di­da­ten, Has­san Ab­dul­lah al-Nu­ri aus Da­mas­kus und der kom­mu­nis­ti­sche Ab­ge­ord­ne­te Maher al-Had­schar, tre­ten gegen den lang­jäh­ri­gen Dik­ta­tor an. Alle an­de­ren Be­wer­ber, vor allem Exil­po­li­ti­ker, die den Groß­teil der po­li­ti­schen Op­po­si­ti­on zu Assad aus­ma­chen, hät­ten an­geb­lich die not­wen­di­gen ju­ris­ti­schen und ver­fas­sungs­recht­li­chen Kri­te­ri­en nicht er­füllt.
Die Wahl soll nur in jenen Ge­bie­ten statt­fin­den, die von dem sy­ri­schen Re­gime kon­trol­liert wer­den. Womit jetzt schon klar ist, dass ein er­heb­li­cher Teil des Lan­des nicht an der Ab­stim­mung teil­neh­men kann. Zudem ist ein Groß­teil der Be­völ­ke­rung seit Be­ginn des Bür­ger­kriegs vor drei Jah­ren zu­meist in die Nach­bar­län­der ge­flo­hen und somit auch nicht in der Lage seine Stim­me ab­zu­ge­ben.
Nach dem Abzug der Re­bel­len aus Homs wird gleich­zei­tig der mi­li­tä­ri­sche Druck durch die sy­ri­sche Armee und ihre Ver­bün­de­ten auf die wei­ter nörd­lich ge­le­ge­nen Re­bel­len­ge­bie­te er­höht. Dort ent­lädt sich seit Mo­na­ten der Kon­flikt mit der ra­di­kal­is­la­mi­schen ISIS zu­se­hens, Kid­nap­ping un­ter­ein­an­der, wech­sel­sei­ti­ge Bom­ben­an­schlä­ge und Ge­fech­te zwi­schen den Geg­nern As­sads sind an der Ta­ges­ord­nung.
Der re­gel­mä­ßi­ge Ein­satz von Gift­gas durch die re­gime­treu­en Trup­pen ver­hallt ohne gro­ßes in­ter­na­tio­na­les Echo. Die Nach­rich­ten der kom­plet­ten Ver­nich­tung der sy­ri­schen Gift­gas­vor­rä­te und -fa­bri­ken stel­len sich als Farce her­aus. Ba­rack Oba­mas rote Linie ist längst ein blu­ro­ter Fleck auf der wei­ßen Weste des Frie­dens­no­bel­preis­trä­gers. Das In­ter­es­se der Welt­öf­fent­lich­keit hat sich auf an­de­re Schau­plät­ze ver­legt.
Sia­mend Hajo, Mit­glied der Ber­li­ner Ge­sell­schaft zur För­de­rung der Kur­do­lo­gie e.V. (BGFK), wird aus Sicht der sy­ri­schen Ak­ti­vis­ten über die der­zei­ti­ge Si­tua­ti­on in Sy­ri­en be­rich­ten.

https://www.facebook.com/events/770642526319936/

13. Juni / 18:30 / Humboldt Universität zu Berlin (Hörsaal 3038)

Alles neu mit Rohani? Die Bedrohung Israels, die Atomverhandlungen & die deutsche Iran-Politik

Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat (Lehrbeauftragter an der Uni Wien, Mitbegründer des Bündnisses STOP THE BOMB, Mitherausgeber der Bücher »Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur & ihrer europäischen Förderer« sowie von »Iran im Weltsystem. Bündnisse des Regimes & Perspektiven der Freiheitsbewegung«. Ein ausführlicher Beitrag von ihm zum Thema ist im Heft 3 der Zeitschrift »sans phrase« erschienen.)

https://www.facebook.com/events/575731982546185

Flugblatt gegen Deutsche Friedensfreunde und ihren Montag

Flugblatt als PDF.

Der Frieden, nach dem hier gerufen wird, ist ganz und gar nicht friedlich.
Er ist gefährlich.

„Hier hat man wortgewaltig den Krämergeist und die Kapitalisten beschimpft, und das Kapital gedieh prächtig dabei, aber danach waren alle Juden tot. Hier ist nichts ungefährlich, nicht mal die Begeisterung für den Frieden – schon gar nicht, wenn die Friedensbegeisterung eine deutschnationale Erweckungsbewegung katalysiert.“ (Wolfgang Pohrt, 1981)

Dass selbst Neonazis – von denen sich ja sogar gesellschaftlich „geächtete“ Rechtspopulisten distanzieren müssen – hier nach Frieden schreien, scheint niemanden zu stören, will man doch „alte Maßstäbe wie ‚rechts‘ und ‚links‘“ überwinden und sich als geeintes „Volk“ begreifen.
Ganz getreu dem Motto „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ stehen all jene zusammen, von denen sich dann von der Bühne aus jeden Montag ausgiebig „distanziert“ wird.
Dass die Ideologie der beteiligten Personen auch nach der Aufnahme in die friedliebende Volksgemeinschaft bestehen bleibt, interessiert nicht. Hier zählt nur das Kollektiv.

Der Frieden, der hier herbeigesehnt wird, fragt nicht nach dem Wohlergehen anderer Menschen. Der Krieg, gegen den demonstriert wird, ist ein persönlicher. Auf das Wort „Krieg“ muss hier immer auch „USA“ folgen. Dass Nazideutschland nicht durch mit Olivenzweigen bewaffnete Tauben, sondern durch die Waffen der Alliierten besiegt wurde, wollen die deutschen Friedenstreiber nicht wahrhaben. Sie heucheln Besorgnis, sobald „der Westen“ in Konflikte involviert ist, denn erst dann ist ihr eigener Weltfrieden gestört.

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25. Mai: Der Schia-Sunni-Konflikt in Syrien – Vortrag und Diskussion mit Oliver M. Piecha

Am Sonntag ab 19:30 in der Schankwirtschaft Laidak, Boddinstraße 42, laufbar vom U-Bahnhof Boddinstraße.

So intransparent der syrische Bürgerkrieg auch sein mag, klar ist: Wirkliche Sieger kann es keine mehr geben. Demokratische Kräfte können sich kaum über Wasser halten, die Zahlen der Toten und Flüchtlinge steigen täglich und die handlungsfähigste Opposition gegen das Baath-Regime besteht zu großen Teilen aus Djihadisten, die von Staaten wie Katar und Saudi-Arabien unterstützt werden. Für viele ist deshalb sicher: Baschar al-Assad bleibt das kleinere Übel. Dass die säkulare syrische Baath-Partei aber nicht nur Islamisten bekämpft, sondern auch mit jenen kokettiert, wird dabei oft verkannt. Die selbsternannte „Achse des Widerstands“, bestehend aus Syrien, Hisbollah und der islamischen Republik Iran bildet die andere Seite, auf einem Schlachtfeld des „Heiligen Krieges“, die Vision einer Front des schiitischen Halbmondes, die sich gegen die Feinde im Westen wie auch gegen die im eigenen Land zu verteidigen weiß.

Was die ideologischen und historischen Hintergründe der Feindschaft zwischen Organisationen und Staaten sind, deren barbarische Ziele und Gemeinsamkeiten doch überwiegender scheinen als ihre Unterschiede, wie dies zu fassen ist und welche Auswirkungen das auf Syrien hat, soll in einem Vortrag von Oliver M. Piecha näher erläutert werden.

Oliver M. Piecha ist promovierter Historiker, Mitautor des Buchs „Verratene Freiheit – Der Aufstand im Iran und die Antwort des Westens“ und arbeitet zur Literatur- und Kulturgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts.

Der Vortrag findet auf deutsch statt.