Archiv für März 2014

Veranstaltungsempfehlung: Vortrag im Laidak am 2. April

Eine Ver­an­stal­tung der An­ti­deut­schen Ak­ti­on Ber­lin
am Mitt­woch den 2. April 2014 um 19:30 Uhr
In der Schank­wirt­schaft Lai­dak, Bo­ddin­str. 42/43, Ber­lin

Be­frei­ung oder fai­led sta­tes?

März 2011, in der sy­ri­schen Stadt Daraa schrie­ben ei­ni­ge Kin­der den Slo­gan „Das Volk will den Sturz des Re­gimes“ an meh­re­re Wände. Dar­auf­hin wur­den sie von den sy­ri­schen Si­cher­heits­be­hör­den ver­haf­tet und ge­fol­tert. Die so­for­ti­ge Frei­las­sung der Kin­der war das Haupt­an­lie­gen für die ers­ten Pro­tes­te. Mitte März er­öff­ne­ten die Si­cher­heits­kräf­te bei einer wei­te­ren De­mons­tra­ti­on das Feuer, min­des­tens vier Men­schen ver­lo­ren ihr Leben. Im Wei­te­ren grif­fen die Pro­tes­te auf viele an­de­re Städ­te in Sy­ri­en über. Drei Jahre, zwei UN-​Be­ob­ach­ter­mis­sio­nen, weit über drei Mil­lio­nen Flücht­lin­ge, zehn­tau­sen­de Ver­haf­tun­gen und 120.​000 Tote spä­ter ver­han­delt die in­ter­na­tio­na­le Welt­ge­mein­schaft nach wie vor über ein Ende der Ge­walt.

Was einst als Auf­stand gegen Baschar al-​As­sad be­gann ist in einem blu­ti­gen Bür­ger­krieg ge­en­det. Wäh­rend die sy­ri­schen Si­cher­heits­kräf­te ge­mein­sam mit ira­ni­schen Re­vo­lu­ti­ons­gar­dis­ten und li­ba­ne­si­schen Hiz­bol­lah­kämp­fern bru­tal gegen die Op­po­si­ti­on vor­ge­hen, kämp­fen die Auf­stän­di­schen unter Füh­rung der Frei­en Sy­ri­schen Armee gegen zwei Fein­de und ge­ra­ten immer wei­ter in die De­fen­si­ve. Die zahl­reich ein­ge­si­cker­ten Al-​Qai­da-​Ter­ro­ris­ten ver­fol­gen ihre ei­ge­ne Agen­da, wo­durch die eth­ni­schen und kon­fes­sio­nel­len Kon­flik­te in­ner­halb Sy­ri­ens noch wei­ter auf­bre­chen.

März 2003, die Ko­ali­ti­on der Wil­li­gen unter Füh­rung der US-​Ame­ri­ka­ner in­ter­ve­nier­te im Irak. Es dau­er­te kaum sechs Wo­chen bis zur end­gül­ti­gen Be­frei­ung Bag­dads. Nur ein Jahr spä­ter ent­steht eine re­prä­sen­ta­ti­ve ira­ki­sche Über­gangs­re­gie­rung, doch der Bür­ger­krieg ist kaum noch auf­zu­hal­ten. Die USA war­fen vor allem dem Iran und Sy­ri­en vor, nichts gegen das Ein­drin­gen aus­län­di­scher Kämp­fer zu tun. Die un­zäh­li­gen An­schlä­ge zwi­schen Sun­ni­ten und Schii­ten for­der­ten fast schon täg­lich Dut­zen­de Men­schen­le­ben, wäh­rend im Nord­irak die kur­di­sche Be­völ­ke­rung ihre Au­to­no­mie von Bag­dad for­cier­ten.

Nach dem end­gül­ti­gen Abzug der ame­ri­ka­ni­schen Kampf­trup­pen 2011 be­ru­hig­te sich die Lage nur kurz­fris­tig. Die Span­nun­gen zwi­schen den Schii­ten und Sun­ni­ten füh­ren immer wie­der zu ter­ro­ris­ti­schen An­schlä­gen. Der ira­ki­scher Mi­nis­ter­prä­si­dent, Nuri al-​Ma­li­ki, ehe­ma­li­ger Lei­ter des so ge­nann­ten Dschi­had-​Bü­ro zur Ko­or­di­nie­rung der Op­po­si­ti­on gegen Sad­dam Hus­sein in Sy­ri­en, gilt vie­len Sun­ni­ten als ver­län­ger­ter Arm der ver­hass­ten Ira­ner. Ma­li­ki setz­te in den obe­ren Rän­gen des Mi­li­tärs und der Ge­heim­diens­te fast aus­schließ­lich Schii­ten ein, wes­halb sich, im Kampf gegen die ira­ki­sche Zen­tral­re­gie­rung, immer wie­der sun­ni­ti­sche Stäm­me den Al Qai­da-​Ter­ro­ris­ten an­schlie­ßen.

Ägyp­ten, Tu­ne­si­en, Li­by­en und Bah­rain, der so ge­nann­te ara­bi­sche Früh­ling hat bis­her in kei­nem Land Früch­te ge­tra­gen. Der Ver­such der Mus­lim­brü­der­schaft das neu ent­stan­de­ne Macht­va­ku­um für sich aus zu nut­zen, ist nicht nur in Ägyp­ten ge­schei­tert. Die alte Eli­ten kämp­fen mit aller Macht um ihre Pfrün­de, ma­ro­die­ren­de Is­la­mis­ten grei­fen Chris­ten, De­mo­kra­ten sowie Ge­werk­schaf­ter an und bei­na­he allen ge­sell­schaft­li­chen Ak­teu­ren gilt der Staat immer noch als per­sön­li­che Beute. Eine de­mo­kra­tisch ge­sinn­te Op­po­si­ti­on ist nur in we­ni­gen Län­dern aktiv, zu­meist ist sie in der ab­so­lu­ten Min­der­heit.

Der Re­fe­rent Tho­mas von der Os­ten-​Sa­cken (Frei­er Pu­bli­zist und Ge­schäfts­füh­rer von Wadi e.V.) spricht über die der­zei­ti­ge Si­tua­ti­on im Nahen Osten und ana­ly­siert die Aus­wir­kun­gen des Stur­zes von Sad­dam Hus­sein auf die um­lie­gen­den Län­der.

http://antideutscheaktionberlin.blogsport.de/

[Tresen gegen Unerträglichkeiten] *Free Syria Edition*

Unsere Veranstaltungsreihe zur Unterstützung säkularer Komitees in Syrien geht in die nächste Runde.

Am 21. März bitten wir ab 19 Uhr in die Braunschweiger Straße 53/55 nach Neukölln. Zunächst wird es folgendes (veganes..) Menü geben: Flädlesuppe, Käse-Spätzle, Apfel-Streuselkuchen. Kein Witz, Exil-Schwaben willkommen. Solange der Vorrat reicht.

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Danach wird nach ein paar einleitenden Worten zur Spendenkampagne eine Dokumentation gezeigt, die die Umstände der Krise in Syrien schildert. Und das aus relativ unmittelbarer Perspektive: eine freischaffende Journalistin aus Beirut ist mit einer Handkamera vor Ort. Anhand drastischer Bilder und Zeugenaussagen dokumentiert der Film die blutigen Militäreinsätze gegen die Demonstranten und belegt zum ersten Mal auch die unmittelbare Beteiligung von Mitgliedern der libanesischen Hisbollah und der Iranischen Revolutionsgarden an den Massakern. Um einen Blick hinter die Kulissen der syrischen Revolution zu werfen, nahm die Filmemacherin viele Gefahren auf sich. Immer musste sie darauf achten, nicht den Verdacht der Geheimdienste zu wecken: beim Filmen der Demonstrationen, beim Umgehen der Panzersperren und bei heimlichen Treffen mit Aktivisten.

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Danach und dabei: Pfeffi, Longdrinks, und preiswertes Bier. Kommt in Scharen, denn:

Jene Kräfte in Syrien, die Religion als eine Privatschrulle betrachten und einen demokratisch-säkularen Staat für einen erstrebenswerten Fortschritt gegenüber dem Assad-Regime halten, befinden sich in einem immer aussichtsloseren Zweifrontenkrieg, in dem sie wenig bis gar keine Unterstützung erhalten. Dies finden wir unerträglich.

Mehr Informationen und Spendenmöglichkeit: syrianfreedom.de

[06.03.] Solidaritätsveranstaltung für die säkulare Opposition in Syrien

„No one has given us any major support, no one has helped us with anything. We used to get some private donations from people living in Europe, Canada, Latin America and the Gulf who are originally from the area. But there is no more funding whatsoever, it has dried up. The West keep saying the rebels are full of extremists. But what are you giving the
secular brigades among us? We are a secular, co-existent brigade, and no one has given us anything.“ (Bassam, Salamiya)

Seit diesem Interview mit einem Oppositionellen im September 2013 hat sich daran nicht viel geändert. Noch immer gibt es kaum Unterstützung für die Menschen in Syrien und erst recht nicht für jene, die sich offen gegen das Assad Regime und die Islamisten stellen. Vielmehr wird der Konflikt ignoriert oder als zu komplex abgetan um Position zu beziehen.

Dem wollen wir uns nicht anschließen. Deshalb unterstützen wir die Ghiath-Matar-Komitees in den befreiten Gebieten, die dort Schulen bauen, Kranke versorgen und strukturelle und militärische Hilfe leisten.

Wir laden ein zu veganem Menü und Film und zeigen eine Dokumentation über die Anfänge des Assad-Regimes, dessen Politik und den Beginn des syrischen Bürgerkriegs. Die Einnahmen gehen direkt an die Ghiath-Matar-Komitees in Syrien. Mehr Informationen zur Kampagne: syrianfreedom.de/

Die Veranstaltung findet statt in der „B-Lage“, Mareschstraße 1, Berlin-Neukölln. Erreichbar vom S-Bahnhof Sonnenallee oder mit dem M41 vom Hermannplatz aus (Haltestelle „Mareschstraße“).