Veranstaltungsreihe: Logik der Verdrängung [Logik des Kapitals]

Vor dem Kündigungstermin des Kiezladen Friedel54 ist noch Zeit für eine fesche Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Logik der Verdrängung [Logik des Kapitals]“, zu der ihr alle herzlich eingeladen seid:

26. 1.
Vortrag: Die »Blumenstraßenkrawalle« 1872: Zur historischen Kontinuität von Verdrängung und Widerstand. Mit Axel Weipert. 19.00 Uhr @ Magdalenenstr. 19, (U-Magdalenenstraße)
https://www.facebook.com/events/1833093106917520/

9.2.
„Kaufen statt besetzen?“ – Das Mietshäusersyndikat stellt sich vor. 20.00 Uhr @ Kiezladen Friedel 54, (U-Hermannplatz)

15.2.
Film & Diskussion: „Buy Buy St. Pauli“ Dokumentation über Widerstand gegen Verdrängung in Hamburg, anschließend Diskussion mit dem Filmteam. 19.00 Uhr @ Astra Stube Neukölln // Weichselstraße 63 (U-Rathaus Neukölln/ Bus M41 Fuldastraße)
https://www.facebook.com/events/732721583495408/

24.2.
Lesung & Diskssion: Über die ‚ganz normale‘ Logik des Kapitals auf dem Wohnungsmarkt Margit Englert liest Auszüge aus „Rosemarie F. – Kein Skandal“ Anschließend Erfahrungsaustausch und Diskussion 19.00 Uhr @ Tristeza // Pannierstr. 5 (Bus: Sonnenallee/Pannierstraße)

17.3.
Talk: Structural ‚gentrification‘ and its resistance in London – Some critical reflections 19.00 Uhr @ B-Lage // Mareschstr. 1 (S-Sonnenallee)

7.4.
Vortrag: „Freizeit ohne Kontrollen“ David Templin referiert über die Geschichte der Jugendzentrumsbewegung in Deutschland 19.00 Uhr @ Unabhängiges Jugendzentrum Pankow „JUP“ // Florastraße 84 (S/U Pankow)

17.12. „Zur Psychologie des Islamischen Staates“

„Zur Psychologie des Islamischen Staates“: Vortrag und Diskussion am 17.12., 19 Uhr.

Der Islamische Staat hat die Barbarei weder erfunden noch auf neue Gipfel getrieben – das Köpfen, die Massenerschießungen, die ethnische Säuberung, das sind altbekannte Gespenster der bürgerlichen Revolutionen, der faschistischen Regimes, der demokratischen Peripherien in Übersee, ohnehin der anderen islamischen Staaten. Auch die Sklaverei ist eine globale und insbesondere in der islamischen Welt bereits vorher häufige Erscheinung.
Das Neue an der Praxis des Islamischen Staates, und damit seiner Psychologie, lässt sich in der historischen, dialektischen Situation bestimmen, in der er gedeiht. Das Globale ist das reformistische am Islamismus, Resultat der Lücke, die der Untergang des kommunistischen Projekts in den Millionenmorden der stalinistischen Diktaturen hinterließ. Die Demokratien des Westens vermögen eine solche Einheit, wie sie der tote Kommunismus und der Islam versprechen, nicht einzuholen, weil sie das individuelle Glücks- und Freiheitsversprechen der kapitalistischen Entrepreneurs und der globalen Besserverdienenden nicht in ein allgemeines verwandeln können. Die eigentliche Pathologie des Islamischen Staates heute ist mit der der bürgerlichen Demokratien vermittelt: Ihre Schwäche, die zum Zuschlagen reizt, ihre unfassbaren Widersprüche, die den Salafisten so vieles am Islamischen Staates logischer, klarer und einfacher erscheinen lassen. Eine komplementäre, dialektische Analyse der psychologischen Faktoren des Islamischen Staates erfordert die Reflexion auf vergleichbare Prozesse in den bürgerlichen Demokratien. Erst dann lässt sich über die Faszination am abschneiden, am Voyerismus, am Ornament der schwarzbeflaggten Masse sprechen. Die sado-masochistische Kollaboration von Frauen an ihrer eigenen Zurichtung zu Objekten, die homoerotische Organisation der Männerbanden und ihre femininen Attribute verweisen auf die verdrängte Homosexualität als zentrale Triebkraft der Gewalt, auf Mutterhass und damit als Hass auf den Triebkonflikt selbst, auf den Wunsch nach narzisstischer Auflösung und Reinheit (Grunberger/Dessuant). Der islamische Staat selbst ist bereits eine Reduktion des Salafismus auf den Takfirismus, die Legitimation zum Mord an Andersdenkenden. Dieser extreme Dogmatismus ist ein alter Bekannter der Religionsgeschichte und kann mit Theodor Reik als Resultat des Zweifels, des ungeglaubten Glaubens (Adorno/Horkheimer), und letztlich als Effekt des andauernden, religiöse Stilblüten treibenden, Tod-Gottes-Problems erklärt werden.

Felix Riedel ist Ethnologe (Dr. phil.) und hat über moderne Hexenjagden promoviert. Er führt das Blog „Nichtidentisches“ und arbeitet zur Gewaltanthropologie insbesondere des Islamismus und des Antisemitismus. // http://felixriedel.net/

*Kinosaal*
im Hauptgebäude der Humboldt-Universität
Unter den Linden 6
(S+U Friedrichstraße; Bus 100, 200, TXL: „Staatsoper“)

Tresen am 4.12.

https://www.facebook.com/events/152803701742542/

Die Menschen müssen „vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden“, schrieb Friedrich Engels bereits 1883. Wer die ersten beiden Dinge nicht auf einem dieser grässlichen Weihnachtsmärkte, sondern in angenehmem Rahmen tun möchte, ist herzlich eingeladen am Freitag ab 20 Uhr in die Friedelstraße 54 zu kommen.

Es gibt veganes Gulasch mit Baguette, dazu Cookies (Subway-like). Dazu verschiedene Cocktails, Longdrinks und gekühltes Bier. Also kommt vorbei und verbringt einen schönen Abend!

Euer Geld wird gut aufgehoben sein. Denn „Wohnen“ wiederum ist in Nordneukölln nicht erst seit gestern ein großes Thema. Steigende Mieten und Zwangsräumungen, Zwangsmodernisierungen und Kündigungen sorgen in den Vierteln rund um Hermannstraße, Karl-Marx-Straße und Sonnenallee dafür, dass sich immer mehr Menschen diese Wohnlage nicht mehr leisten können und selbstverwaltete Projekträume schließen müssen. Denn selbstverständlich kann auch Wohnraum Ware sein, und die Hauseigentümer und Immobilienfirmen exekutieren die kalte Logik einer Gesellschaftsordnung, derzufolge eben ausziehen muss, wer sich diese Ware nicht mehr leisten kann. Einige Bewohner der Friedelstraße und des umliegenden Viertels organisieren sich gegen diese Verdrängung und treffen sich hierfür im Kiezladen F54 – der vor einiger Zeit selbst die Kündigung zum 30. April 2016 erhalten hat.

Gegen diese startet am Samstag am Rathaus Neukölln eine Demonstration, und zwar um 15 Uhr: https://www.facebook.com/events/632475966855692

27.11. Soliparty: No papers, no fear!

https://www.facebook.com/events/625709724238305/

Die deutsche „Willkommenskultur“, ohnehin schon wieder im Zerfall befindlich, erwartet neben der wohligen Wärme des Gemeinschaftsgefühls und der Pflege des nationalen Images auch Dankbarkeit von ihrem Solidaritätsobjekt. Die umsorgten Asylsuchenden werden dabei zu bloßen Hilfsempfängern und Spielbällen nationaler Gemütswallungen – ob positiver oder negativer Art – degradiert und haben passiv zu bleiben. Letztendlich wird ihnen das Ergebnis ihres Asylverfahrens präsentiert, was sie still zu akzeptieren haben. Währenddessen werden die Menschen, denen die Flucht aus den Vorhöllen der Wohlstandsperipherie, vor Krieg und existenziellem Elend gelang, zur Manövriermasse auf politischer Ebene und zum Angriffsziel all jener, die in ihnen den Vorschein der eigenen Überflüssigkeit ausmachen.

Durch das Raster dieser deutschen Willkommenskultur fallen neben sog. Wirtschaftsflüchtlingen, in deren empörter Ablehnung wohl der zäheste gesellschaftliche Konsens besteht, auch jene Geflüchteten, die aus dem ihnen von Staat und Gesellschaft auferlegten Objektstatus ausbrechen und sich selbstbewusst gegen die Zumutungen des europäischen Migrationsregimes zur Wehr setzen.

Sei es die bloße Vernetzung mit Asylsuchenden in anderen Lagern, die sich in der gleichen unerträglichen Situation befinden; sei es der gemeinschaftlich begangene Ausbruch aus den ihnen zugewiesenen Unterkünften; sei es die kollektive Missachtung der Residenzpflicht; seien es militante Besuche bei den politischen Vertretungen ihrer despotischen Herkunftsstaaten; sei es die Teilnahme an Demonstrationen oder sozialen Kämpfen; sei es die unkontrollierte Organisierung gegen die Repressalien der Behörden: Selbstorganisation von Geflüchteten findet auf vielen Ebenen statt und hat Unterstützung durch solidarische Netzwerke, welche sie als politische Subjekte anerkennen, bitter nötig.

Das soll auch am 27. November im kleinen aber feinen „ausland“ passieren, nicht zuletzt weil sich die politischen Initiativen der Asylsuchenden immensen Repressalien ausgesetzt sehen: Unter anderem sind viele ihrer Aktionen gemäß der geplanten Asylrechtsverschärfung bereits Gründe für eine Abschiebung. Kommt also am Freitag in die Lychener Straße 60 und haut euer „allgemeines Äquivalent“ an Cocktailbar und Tresen für die gute Sache auf den Kopf. In diesem Sinne: No papers, no fear! Für die aktive Solidarität mit den selbstorganisierten Kämpfen gegen das europäische Migrationsregime!

Friedel54 gekündigt!

Gäste der kollektiv verwalteten Räumlichkeiten in der Neuköllner Friedelstraße 54 haben sich sicherlich schon seit längerem gefragt, was eigentlich dieses hässliche Baugerüst am Haus zu suchen hat. Nun, die Wiener Eigentümerfirma “Citec Immo Invest GmbH” möchte das Haus gerne sanieren und legt sich deshalb seit Monaten mit den dort wohnenden Menschen an. Siehe: http://www.bmgev.de/mieterecho/archiv/2015/me-single/article/modernisierung-auf-biegen-und-brechen.html

Am Donnerstag, den 29.10.2015, wurde dem Kiezladen im Erdgeschoss, in dem auch wir Veranstaltungen organisieren, per Gerichtsvollzieher die Kündigung zum 30. April 2016 zugestellt. Am 23.11. um 20 Uhr wird es ein offenes Treffen geben um Handlungsmöglichkeiten zu besprechen. Denn eines ist klar: Umstandslos wird der Laden sicher nicht übergeben. Siehe: http://friedel54.noblogs.org/

Übrigens geht ca. die Hälfte der Einnahmen unseres morgigen Tresens wie immer an die F54, also kommt vorbei: https://www.facebook.com/events/193946477610606/